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3. Thüringen und der Ski - Langlauf

3.1. Die lauschige Hütte

3.2. Zerstörte Kleidung
3.3. Vom Zwang zu kochen/ Nette Besuche
3.4. Stichwort: 'Wo ist das Hackfleisch?'
3.5. Von Wetten und Wassertonnen
3.6. Steile Abfahrten für Anfänger

3.1

Die lauschige Hütte

Die kleine Ski- 'Freizeit' fand im Februar 2001 statt, im Thüringer Wald, und war sicherlich eines der interessantesten Kapitel des ganzen ersten Kurses. Man bekam einige Tage Schul-frei, damit auch genug Zeit blieb, sich ausgiebig zu blamieren. Die LL-Ski waren zum größten Teil geliehen und zuvor mit Wachs behandelt und mehr oder weniger sorgfältig auf Fehler untersucht worden. Ahnt man schon, was dieser Satz bereits impliziert? Dann sei man gespannt ...

Man fuhr mit gleich drei Lehrkräften, Bernhardt, Seliger, Heussner, und einem Thüringer Ski-Lehrer, und das war durchaus ein interessantes Erlebnis. Manchmal reagieren Lehrkräfte in freier Wildbahn anders als unter dem Zwang der Schule ...

Wie auch immer, die Fahrt bis in den Thüringer Wald war natürlich lang, was aber nicht hieß, dass man nicht bereits am Tag der Ankunft auf die Ski stieg, um die ersten einhundert Mal im Schnee zu landen. Nun, und dabei wurden erste Mängel an den vorhandenen Sport-Utensilien festgestellt.

Meine Wenigkeit jedenfalls musste mit dem Referendar Heussner Ski leihen gehen, was natürlich den Vorteil hatte, dass ich meine hundert ersten Stürze nur vor den Augen eines grinsenden Menschen ausführen musste. Und ich musste nicht zusehen, wie einige meiner Mitschüler unter der Last von Spirituosen und Konserven fast im Schnee versanken.

K.P. ging es allerdings genauso - auch sie musste sich um Ersatzmaterial kümmern, nachdem auch an ihrer Ausrüstung Mängel aufgetreten waren; nur dass sie den Thüringer Ski-Lehrer abbekam ...

Nun, irgendwann waren wir jedenfalls alle an der Hütte angekommen. Die Zeit zum Aufwärmen und Bestaunen der vorhandenen Einrichtungen war nicht lang, dann ging es wieder hinaus in den Schnee, bis nach Einbruch der Dunkelheit, wo ich zum Beispiel einmal an einer Kreuzung stand, erschöpft und verlassen, und wie ein hypnotisiertes Kaninchen blieb, wo ich war, da ich den Weg gänzlich zu verlieren befürchtete ...

Wie auch immer, um es kurz festzuhalten: die Hütte hatte drei kleine Räume. Einen Aufenthaltsraum mit drei Tischen und einigen Bänken, einer Anrichte, Töpfen, Geschirr, Besteck und anderen lebensnotwendigen Dingen für den Haushalt, einen mit Holz beheizten Herd, einen Ofen für die Beheizung. Die anderen beiden Räume waren Schlafräume, mit Kojen wie aus den finstersten Albträumen eines Seemannes. Drei lagen übereinander, richtete man sich unvorsichtigerweise auf, machte der Kopf schmerzhaft Bekanntschaft mit der Decke oder der darüberliegenden Koje. Die Zimmer mussten aufgrund ungünstiger weiblich-männlich Verhältnisse gemischt werden, was eine nicht unerhebliche Lärmbelästigung für diejenigen bedeutete, die mit den Lehrern in einem Raum schliefen (säg, säg, säg). Variabel wäre höchstens noch Biwakieren über einer winzigen Scheune möglich gewesen. Es gab keinen Strom und kein fließend Wasser, doch das hatte man uns schon im Vorfeld mitgeteilt. Deshalb hatten wir Taschenlampen und Kerzen, und für den Rest: einen Holzofen und einen Bach vor der Tür. Eine Regentonne im Bach ersetzte quasi die Badewanne, ein Klohäuschen befand sich, über eine schmale, vereiste Brücke zu erreichen, auf der anderen Seite der kleinen Wasserstraße. Es war völlig naturnah, und man hatte sogar eine Sauna. Insgesamt war es der urigste Platz, den man je gesehen hatte, und eigentlich auch recht gemütlich.

Ich hatte noch genug Gelegenheit, das Hüttenleben zu genießen, denn wie es so kam, stürzte ich gleich am Tag der Ankunft, weil ich unfähig war, das Bremsen zu erlernen. Alternativ blieb, sich in den Schnee zu werfen; allerdings vergaß ich die Skier an meinen Füßen und verdrehte mir das Knie. Tja, so lernte ich die häuslichen Aufgaben wieder einmal kennen und habe auf meine Weise interessante Erlebnisse gehabt - und nutzte die Zeit, um auch für anstehende Arbeiten zu lernen. Höchst produktiv und so nett, mit dem Feuerholz zu reden.

Was will man mehr?

3.2

Zerstörte Kleidung

Nun, die wird erwähnt, weil es ein Opfer war, das Michael Hampl bringen musste: er hängte seine Jacke, die aus Kunststoffen bestand, über das Ofenrohr. Ein ekelhafter Gestank lehrte uns, niemals Sachen aus Plastik mit zu großer Wärme in Berührung zu bringen! Lehrreich, sehr lehrreich!

3.3

Vom Zwang zu kochen/ Nette Besuche

Dieser Abschnitt liegt mir wirklich am Herzen, denn es ist interessant, wenn man sich plötzlich mit Aufgaben konfrontiert sieht, die man schon zu Hause hasste - und von unbekannten Leuten überrannt wird.

Weil S.K. sich also gerade am ersten Abend das Knie verdrehte und folglich nicht mehr an den sportlichen Aktivitäten teilnehmen konnte, wurde sie zum Heimchen am Herd. Sie betreute das Feuer, damit es warm blieb. Nachdem die Gruppen aufgebrochen waren, spülte jene Schülerin außerdem das Frühstücksgeschirr von mehr als einem Dutzend Personen und brauchte dafür ewig. Sie war gerade fast fertig, als sich die Tür öffnete und ein Fremder eintrat. S.K., die nicht mit Besuch gerechnet hatte, war völlig verblüfft - und das noch mehr, als hinter dem Mann noch zwei oder drei Kinder eintraten.

Der Schülerin wurde erklärt, dass man der Hüttenwart sei und sich mit etwas Tee ein wenig aufwärmen wolle. S.K. erklärte, dass sie nur wegen einer Verletzung zurückgeblieben sei und wusste ansonsten wenig sinnvolles zu sagen. Nun, sie war verwirrt, aber sie versuchte es nicht zu zeigen. Irgendwann ging der Fremde schließlich wieder und die erste Gruppe kehrte zurück. Das stellte allerdings keine Verbesserung dar, denn nun bekam S.K. eröffnet, dass sie für die Spaghetti zuständig sei, mit denen am Abend die Rotte gespeist werden sollte. Die Schülerin stellte dar, dass sie mit einer Mikrowelle aufgewachsen sei, aber das wurde nicht akzeptiert. Man betete S.K. das Rezept mehrere Male vor, überließ ihr die Würzung der Soße weitgehend (merkwürdigerweise führte das im Endeffekt nicht zur Katastrophe) und nannte eine Zeit, zu der man zurück sein wolle (Zitat: 'Um sechs Uhr ist das Essen fertig.'

Betreffende Schülerin hebt die Augenbrauen: 'Ach so, um sechs Uhr ist das Essen also fertig?'). Gegenwehr war sinnlos, aber S.K. bekam Hilfe von einem weiteren Besucher - einer Frau, die gemeinhin nur Fischie genannt wurde und wohl einst die Frau des Hüttenwartes gewesen war. Zu ihr stieß später auch noch eine zweite Dame, deren Namen ich nicht kenne. Warum man nun erstere der Frauen Fischie nannte, ist mir bis heute schleierhaft.

Tja, und diese Dame war wirklich interessant; sie schreckt nicht davor zurück, sich am hellen Tage nackt in unsere Tonne zu begeben und am Abend die Sauna ausgiebig zu nutzen. Sie übernachtete über der Scheune und biwakierte ohne Scheu. (Michael Hampl bei seiner Rückkehr, als er zum Fenster geht und hinausblickt: 'Was macht die nackte Frau da in unserer Tonne?') Wie auch immer, sie unterstützte S.K. jedenfalls beim Fabrizieren von Spaghetti, während deren Zubereitung es zu kleineren Zwischenfällen kam. Alles wäre dennoch perfekt gewesen - wäre Herr Seliger nicht über eine halbe Stunde zu spät mit seiner Gruppe zurückgekehrt.

Da waren die Nudeln dann leider zu einem riesigen Matschklumpen degeneriert ...

3.4

Stichwort: 'Wo ist das Hackfleisch?'

Was im Zusammenhang mit dem leidigen Kochen noch zu erwähnen wäre, ist der große Zwischenfall, der sich beim Zubereiten o.g. Spaghetti ereignete - der Verlust einer ganzen Dose Hackfleisch.

Um diese kühl zu halten, war sie vor der Tür im Schnee verbuddelt worden, in einem riesigen Schneehaufen. Man ging davon aus, sich gemerkt zu haben, so sich das Hackfleisch befand. Als S.K. es dann allerdings braucht ...

... war es wie vom Erdboden verschluckt. Man suchte verzweifelt, spekulierte über den Verbleib (ungefähres Zitat: 'Das wird doch nicht irgendein Tier ausgegraben und verschleppt haben? Aber mit der Dose, das ist eigentlich nicht möglich ...') und nachdem sich dabei kein Erfolg einstellte, beschloss man, die Soße ohne Hackfleisch zu fabrizieren.

Dumm war es nur, dass sich die Dose später doch wiederfand. Wer letztendlich derjenige war, der den Aufenthaltsort der Dose nahe an den Bach verlegte, kann ich nicht sagen ...

... aber was wäre die Welt ohne Geheimnisse?

3.5

Von Wetten und Wassertonnen

Der krönende Abschluss unseres LL- Aufenthaltes im Thüringer Wald und aller Abenteuer war natürlich eine gebührende Feier, die mehr oder weniger chaotisch verlief. Man kann sich ja vorstellen, wie so etwas aussieht, wenn Bier und noch sehr viel anderes alkoholisches Material dabei ist.

Im Zuge der zunehmenden Heiterkeit kam es zu einem unbedachten Ausspruch der Schülerin K.K., die versprach, würden alle vor ihr singen und tanzen, würde sie freiwillig in die Wassertonne vor der Tür steigen.

Ihr Angebot wurde prompt angenommen und Fischie erklärte sich bereit, die arme zu geleiten, die nur mit einem Handtuch umwickelt nach draußen ging. Als sie völlig in der Tonne war, richtete man eine starke Taschenlampe auf sie, um die Erfüllung ihrer Versprechung zu überprüfen - nun, man kann K.K. attestieren, dass sie auslöffelt, was sie sich einbrockt.

In Laufe des Abends kam es auch noch zu einem Spiel, bei dem ein Schüler, M.K. durch den Ärmel einer Jacke Wasser ins Gesicht bekam. Da der betreffende ein sehr lautstarkes Organ hat, war sein Fluch die Ohrenschmerzen jedenfalls wert ...

3.6

Steile Abfahrten für Anfänger

Dieser Umstand ist mir nur vom Hörensagen bekannt - doch hat man mit Herrn Seliger sowieso immer das Schlimmste zu befürchten. In diesem Fall bedeutete dies für die Ski- Anfängerin K.P., dass sie an einem steilen Abhang stand und diesen hinabfahren sollte, mit den Kenntnissen, die sie sich gerade frisch erworben hatte.

K.P. löste das Problem recht einfach.

Sie verlagerte ihren Schwerpunkt so weit in Bodennähe wie möglich, ging in die Hocke und setzte sich auf ihre Ski, um so vorsichtig den tödlichen Hang hinabzuschlittern. Das kostete Herrn Seliger nur ein Lächeln, der offensichtlich eine andere Art der Abfahrt erwartet hatte (Zitat: So geht's natürlich auch.)

Hätte ich an K.P.s Stelle dort gestanden, ich wäre vor Angst gestorben und wahrscheinlich ganz aus den Bindungen gestiegen. Immerhin hat meine Mitleidende mit ihrem Handeln einen Kompromiss zwischen den beiden Extremen gefunden ...

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